Bundesarbeitegemeinschaft Kind und Krankenhaus e. V. - BaKuK

Offener Brief zum Pflegeberufereformgesetz

An alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages

Sehr geehrte Damen und Herren, die Pflegeausbildung soll durch das Pflegeberufereformgesetz reformiert werden. CDU/CSU und SPD haben nach monatelangen Diskussionen Anfang April einen Kompromiss gefunden...

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Gute Pflege von Kindern in Zukunft:

Forderungen zur Ausgestaltung des Koalitions-Kompromisses zur Pflegeausbildung vom 06.04.2017

 

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Zum Pflegeberufegesetz

„Während ihrer dreijährigen Ausbildung lernen Kinderkrankenschwestern in Theorie und Praxis, wie sie mit Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen umgehen müssen. Jeder Tag, um den diese Ausbildung verkürzt wird, führt zu einer Verschlechterung der Ausbildungsqualität und damit zu einer möglichen Verschlechterung der Behandlungsqualität“, betonte Dr. Frank Jochum Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus. Den kompletten Artikel hierzu finden Sie im Heft 8 vom 26.2.2016 im Deutschen Ärzteblatt.

http://www.aerzteblatt.de/archiv/175092/Pflegeberufsgesetz-Das-ist-doch-absurd

 

 

 

Gute Pflege für kranke Kinder

Statement PD Dr. med. Frank Jochum

 

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Minderjährige Flüchtlinge

Lesen Sie hier den gesamten Artikel.

 

Parlamentarischer Abend am 7.11.2004

Wird die Kinderkrankenschwester ausgemustert?

Werden Kinder künftig wie kleine Erwachsene behandelt? Wenn Kinderkrankenschwestern ausgemustert werden würden ...

Die Zwillinge Lisa und Michael sind zu früh auf unsere Welt gekommen und so manches Organ war nicht so weit entwickelt, dass die Eltern ihre Kinder gleich mit nach Hause nehmen konnten. Nach drei Monaten hatte sich allerdings der Gesundheitszustand von Michael stabilisiert, während Lisa weiterhin an einer bronchopulmonalen Dysplasie litt. Für sie war also eine besondere Pflege notwendig. Michael hingegen hätten die Eltern nun nach Hause nehmen können. Die Eltern möchten aber beide Kinder zu Hause haben, da es für sie nicht möglich ist, das eine Kind zu Hause und das andere in der Klinik zu betreuen. Doch hierzu bedarf es eines qualifizierten häuslichen Kinderkrankenpflegedienstes, um die Eltern wirksam zu entlasten und auch der Tochter eine nachhaltige Gesundung zu ermöglichen.


Notwendigkeit einer kindgerechten stationären und ambulanten Pflege fachlich unstrittig, dennoch nicht mehr finanzierbar?

Parlamentarischer Abend am 7.11.2004An diesem Beispiel wird die Bedeutung und die Notwendigkeit eines qualifizierten Kinderkrankenpflegedienstes – stationär wie ambulant – mehr als deutlich. Die zum 1. Januar 2004 anstehende flächendeckende Einführung der Fallpauschalen (DRG – Diagnosis related groups) werde jedoch dazu führen, dass dieser pflegeintensive Aufwand gar nicht mehr geleistet werden könne, falls das vorgesehene Regelwerk nicht entscheidend korrigiert werde. Dies betonte Prof. Dr. Werner Andler, Vorstandsvorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus e. V. (BaKuK), anlässlich eines Parlamentarischen Abends zum Thema "Kranke Kinder im Abseits?" in Berlin. "Was gelten Kinder, gerade wenn sie krank sind, in unserer Gesellschaft noch?" Diese Frage stellte Andler, aber auch andere. Und sie erhofften Antworten von den zahlreichen politischen Repräsentanten aus allen Bundestagsfraktionen, die an diesem Abend in die Parlamentarische Gesellschaft, gleich hinter dem Reichstag, geströmt sind. Erst recht wirkt diese Frage auf dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Provakant wirft Andler die Frage in den Raum, ob wir denn ohne Kinder künftig noch eine Kinderheilkunde bräuchten? "Wozu Kinderkrankenschwestern, wozu Kinderkrankenpflegeschulen?" wollte der Ärztliche Direktor der Vestischen Kinder- und Jugendklinik in Datteln wissen.


Von den Medien wenig beachtet: Reform der Kinderkrankenpflegeausbildung steht an – Wird der Beruf der Kinderkrankenschwester abgeschafft?

Parlamentarischer Abend am 7.11.2004"Schon vor drei Jahren war man drauf und dran, den Beruf der Kinderkrankenschwestern zu begraben." Doch das, so Andler, habe man mit großen Anstrengungen noch einmal verhindern können. Mit der anstehenden Reform der Pflegeausbildungen befürchtet er nun aber erneut das "Ausmustern" dieses Berufes. Diese Einschätzung teilt Elfriede Zoller, die stv. Bundesvorsitzende des Berufsverbandes Kinderkrankenpflege Deutschland e. V. (BeKD). Zwar sei aus ihrer Sicht die Reform der Pflegeberufe "grundsätzlich zu begrüßen", da eine Vielzahl von gesellschaftlichen Veränderungen auf das Gesundheitswesen im Allgemeinen und den Pflegeberuf im Besonderen Einfluss nehmen würden, doch trüge der vorgelegte Gesetzesentwurf diesen Entwicklungen nicht in ausreichendem Maß Rechnung. "Spezifische Lebensphasen erfordern spezifische Kompetenzen.", sagt die Schulleiterin der Kinderkrankenpflegeschule des Olgahospitals in Stuttgart. Und diese besonderen Kompetenzen könnten in den vorgesehenen Stunden nicht ausreichend heraus gebildet werden. "Das novellierte Krankenpflegegesetz sieht zwar noch einen eigenständigen Berufsabschluss Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin/-pfleger vor, jedoch sind die Ausführungsbestimmungen eindeutig generalistisch angelegt", berichtet Elfriede Zoller. Mit anderen Worten: den besonderen Erfordernissen der Pflege von Kindern werde nicht Rechnung getragen. Damit stünden vor allem kranke, pflegebedürftige Kinder künftig wirklich im Abseits, erläutert Zoller weiter.

Ergänzt wird diese Einschätzung von Heide Boyé, Bundesverband Häusliche Kinderkrankenpflege. Sie moniert die mangelhafte Finanzierung der häuslichen Kinderkrankenpflege: "Es fehlen die qualifizierten Kinderkrankenpfleger/innen im häuslichen Bereich." Wie das Beispiel der Zwillinge Michael und Lisa zeigt, könnten wirksame finanzielle Entlastungen nur dann erfolgen, wenn auch entsprechende Alternativen da wären. Doch an denen hapert es. Der weiter einher schreitende Fortschritt der Medizin werde dieses Problem noch verstärken, betonte Prof. Dr. Harald Bode, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin.


Politik bewertet die Reformbemühungen anders – Grundsätzliche Einsichten

Parlamentarischer Abend am 7.11.2004Nachdem die Probleme derart massiv vorgetragen worden sind, fanden die politischen Repräsentanten der Regierungskoalition grundsätzliche Worte. "Die Anforderungen in der Kinderheilkunde an die dort Pflegenden sind andere und bedürfen daher einer speziellen Ausbildung.", sagte Dr. Margrit Spielmann, Mitglied der SPD-Fraktion im Ausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung im Deutschen Bundestag. Zudem sei ihr bewusst, dass "besondere Anforderungen" an diese Pflegekräfte gestellt werden würden. Spielmann berichtet von einem Antrag ("Medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sichern und verbessern"), der mit der Reform der Krankenpflegeausbildung weiterhin an einer differenzierten Ausbildung für angehende Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/innen festhalten will. "Neu ist, dass die bisher eigenständigen Ausbildungen zukünftig neben einer Differenzierungsphase auch weitgehend gemeinsame Ausbildungsanteile enthalten."

Spielmann will zudem, dass auch die häusliche Kinderkrankenpflege von der Reform "unbedingt profitiert". In ein ähnliches Horn stößt Petra Selg, die pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen: "Kinder und Jugendliche sind keine kleinen Erwachsenen.", betont sie, "deshalb bedürfen sie einer besonderen Betreuung in einem geeigneten pflegerischen Umfeld." Zwar würde die Novellierung des Krankenpflegegesetzes einen Schritt in Richtung „integrierte Pflegeausbildung“ machen, doch für die Mutter von drei Kindern und gelernte Krankenschwester "ist es völlig unstrittig, dass für die Pflege kranker Kinder besondere Kenntnisse und Fähigkeiten notwendig sind". Dabei bleibe ihrer Auffassung nach "ein zentraler Punkt" bei der stationären Versorgung von Kindern und Jugendlichen die Betreuung "durch speziell qualifiziertes Pflegepersonal".


Nachbesserungsbedarf eingefordert

Parlamentarischer Abend am 7.11.2004Doch gerade der "Schritt" in die Richtung einer integrierten Pflegeausbildung irritiert die Repräsentanten der Kinderkrankenpflegeverbände. So plädiert Elfriede Zoller für eine Stundenaufteilung, die für den integrativen Anteil ein Drittel und für den Differenzierungsbereich zwei Drittel der Ausbildungszeit vorsähe. "Nur so lassen sich die dringend erforderlichen Kompetenzen im Differenzierungsbereich ausbilden", erläutert Zoller. Der Gesetzentwurf sehe hingegen für die Differenzierungsphase eine "viel zu niedrige Stundenzahl" vor. Hier sei Nachbesserungsbedarf gegeben.

Spielmann und Selg halten die geäußerten Befürchtungen für nicht berechtigt. Beide betonten zudem, dass es hier einen Partei übergreifenden Konsens gäbe. Margrit Spielmann findet klare Worte: "Uns haben Sie als Partner." Andler beschwört trotz diesen wohl klingenden Worten die anwesenden politischen Entscheidungsträger aus allen Fraktionen, nachhaltig auf die "speziell ausgebildeten Pflegekräfte in Kinderkliniken, die von der Pike an auf die spezifischen Erfordernisse der kranken Kinder ausgerichtet sind", zu achten. Ansonsten würden Kinder künftig wie kleine Erwachsene behandelt. "Wollen wir das?", fragt der Kinderarzt. Keiner antwortete mit "Ja". "Hoffen wir, dass diese Erkenntnis im Gesetzgebungsprozess Berücksichtigung findet." appellierte Andler abschließend.