Bundesarbeitegemeinschaft Kind und Krankenhaus e. V. - BaKuK

Offener Brief zum Pflegeberufereformgesetz

An alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages

Sehr geehrte Damen und Herren, die Pflegeausbildung soll durch das Pflegeberufereformgesetz reformiert werden. CDU/CSU und SPD haben nach monatelangen Diskussionen Anfang April einen Kompromiss gefunden...

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Gute Pflege von Kindern in Zukunft:

Forderungen zur Ausgestaltung des Koalitions-Kompromisses zur Pflegeausbildung vom 06.04.2017

 

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Zum Pflegeberufegesetz

„Während ihrer dreijährigen Ausbildung lernen Kinderkrankenschwestern in Theorie und Praxis, wie sie mit Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen umgehen müssen. Jeder Tag, um den diese Ausbildung verkürzt wird, führt zu einer Verschlechterung der Ausbildungsqualität und damit zu einer möglichen Verschlechterung der Behandlungsqualität“, betonte Dr. Frank Jochum Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus. Den kompletten Artikel hierzu finden Sie im Heft 8 vom 26.2.2016 im Deutschen Ärzteblatt.

http://www.aerzteblatt.de/archiv/175092/Pflegeberufsgesetz-Das-ist-doch-absurd

 

 

 

Gute Pflege für kranke Kinder

Statement PD Dr. med. Frank Jochum

 

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Minderjährige Flüchtlinge

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Parlamentarischer Abend am 4.3.2004

Kinderkliniken: "Wir brauchen mehr Zeit für präzisere Daten!"

"Kranke Kinder im Abseits?": Bundestagsabgeordnete sagen aktive Unterstützung zu

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004Auf lebhafte Resonanz stieß der dritte Parlamentarische Abend, zu dem die Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus (BaKuK Vorsitzender Prof. Dr. Werner Andler) zusammen mit ihren Mitgliedsverbänden Berufsverband Kinderkrankenpflege Deutschland (BeKD Vorstandsmitglied Birgit Pätzmann Sietas) und Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser (GKinD / stellvertretender Vorstandsvorsitzender Andreas Wachtel) in Berlin eingeladen hatte, um über die drohende Verschärfung der bereits bestehenden Schieflage bei der Versorgung kranker Kinder und Jugendlicher zu informieren.

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004Zahlreiche Vertreter pädiatrischer und kinderchirurgischer Fachgesellschaften, Elternverbände und Selbsthilfegruppen aus dem kindermedizinischen Bereich waren gekommen, um zu hören, was die Vertreter der Politik zu sagen hatten. Es diskutierten Petra Selg (Bündnis 90/Die Grünen) und Horst Schmidbauer (SPD) sowie Waltraud Lehn (SPD). Dr. Margit Spielmann (SPD) hatte kurzfristig absagen müssen. Von der CDU/CSU Fraktion im Bundestag kam Dr. Hans Georg Faust, um sich zu informieren.Zwei Aspekte standen an diesem Abend im Vordergrund:

  • die Problematik, dass zu viele kranke Kinder und Jugendliche in Erwachsenenstationen behandelt werden: nach Berechnungen des Aktionskomitees Kind im Krankenhaus (AkiK /Christine Grotensohn) mehr als 45 Prozent im Jahr 2000.
  • Parlamentarischer Abend am 4.3.2004schließlich die bei der Einführung des neuen Krankenhausentgeltsystems DRG's ungelöste Frage einer angemessenen Finanzierung der Kinderkliniken mit ihren besonderen Strukturen und damit verbunden der Erhalt der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung in Deutschland: Denn mit der Einführung des neuen Krankenhausfinanzierungssystems DRG's wird (mit Ausnahme einiger weniger Alterssplits) zum ersten Mal, seit es Anhaltszahlen für die Besetzung der Krankenhäusern mit Pflegekräften und Ärzten (1951 ff.) gibt und seit der Berechnung von Pflegepersonalbedarf in der Bundesrepublik (1993), der im Vergleich zur Versorgung von Erwachsenen erhöhte Personalbedarf bei der Versorgung kranker Kinder nicht berücksichtigt.

Petra Selg (Bündnis 90/Die Grünen), die die Veranstaltung nur kurz besuchen konnte, verwies ausdrücklich auf ihre eigenen Erfahrungen als gelernte Krankenschwester und Mutter dreier Kinder. Sie stehe mit ihrer Fraktion hinter den GkinD Forderungen nach Altersplits im neuen Krankenhausfinanzierungssystem "DRGs" und unterstütze die Forderung der BaKuK und ihrer Mitgliedsverbände, dass kranke Kinder in Kinderkrankenhäuser gehörten.


Schmidbauer: keine Umstrukturierung im Gesundheitswesen zu Lasten der jüngsten Patienten

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004Ein "Gegen-die-Wand-fahren" der Kinder- und Jugendmedizin wolle man unter allen Umständen vermeiden, hob Bundestagsabgeordneter Horst Schmidbauer (SPD) hervor. Er halte es für ein "Unding", dass es "bisher keine vernünftige Regelung in der Kinder und Jugendmedizin" gebe, was die Umsetzung der Versorgung von Kindern in stationären Einrichtungen angehe. Er versicherte, dass die Politik angesichts des sich abzeichnenden Verteilungskampfes der Krankenhäuser nicht nur ein Auge darauf haben werde, dass keine Umstrukturierung zu Lasten der jüngsten Patienten stattfinden werde, sondern dass Erwachsenenkrankenhäusern auch keine Anreize gesetzt werden sollten, Kinder zu versorgen. Allerdings, so machte er deutlich, sei den Eltern kranker Kinder und Jugendlicher klar zu machen, dass sie für eine optimale und fachgerechte Versorgung ihrer Kinder auch größere Entfernungen in Kauf nehmen müssten.Eine weitere Subspezialisierung der Fächer in der ambulanten Kinder und Jugendmedizin hält er für eine Fehlentwicklung, denn sie führe zu einer falschen Konkurrenz für Krankenhäuser aus dem ambulanten Bereich und zu überflüssigen Doppelstrukturen. "Wir wollen solide abgesicherte finanzielle Vergütungen der Leistungen im Kinderkrankenhaus und die Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Leistungen bei besonders schweren Krankheitsbildern", hob Schmidbauer hervor.

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004Er empfahl den Kinderkliniken, sich jetzt in der Entwicklung von beispielhaften Modellen der integrierten Versorgung zu engagieren. Wenn auch die integrierte Versorgung als Regelversorgung nicht habe durchgesetzt werden können, sah er hier Spielräume für die Kinderkliniken. Seine Empfehlung an die Kinderkliniken lautete daher: sich nicht aus dem System DRGs auszuklinken, da sonst die Gefahr bestünde, dass sie nur noch als Gruppe von Außenseitern wahrgenommen würden. Als problematisch sah Schmidbauer an, dass nur wenige und nur einige der großen Kinderkliniken an der Kalkulation teilgenommen hätten. Dies führe zu der Gefahr einer falschen Bewertung der Kinderkliniken. Schmidbauer regte gemeinsame Gespräche von Vertretern der stationären Kinder und Jugendmedizin mit dem Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (INEK) sowie der Spitzenverbände der Krankenkassen an.


Verschiedene Typen von Kinderkliniken: Kostenstrukturen nicht einheitlich, Daten präzisieren

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004GKinD-Vorstandsvorsitzender Jochen Scheel dankte Schmidbauer für seine Bereitschaft zum Dialog und zur Unterstützung der Kinderkliniken. Er verwies darauf, dass es in Deutschland gerade einmal zwischen 20 und 25 reine, d.h. organisatorisch eigenständige Kinderkliniken gebe. Von diesen hätten sich insgesamt vier an der Kalkulation beteiligt, immerhin um die 20 Prozent. Dennoch sei die Qualität der in Kinderkliniken ermitteln Daten nicht befriedigend, so Scheel: eine der Ursachen sei das heterogene Rechnungswesen der deutschen Krankenhäuser, mit der bisherigen Kostenstellenrechnung, dort wo sie überhaupt angewendet werde, eine weitere die jetzige Kostenträgerrechnung, dort wo sie Kliniken bereits anwenden, sowie die Vorgaben im Handbuch; sie ermögliche, so die Sicht der GKinD, die Querfinanzierung (pauschale Umlegung z.B. von Fixkosten auf alle Abteilungen ohne Berücksichtigungder tatsächlich erbrachten Inanspruchnahme von Geräten, Leistungen u.a. durch eine bestimmte Abteilung) ermögliche. Bei einer nicht eigenständigen Kinderklinik innerhalb eines Großklinikums sei es zum Beispiel nicht möglich, die Kostenstruktur exakt zu ermitteln, erläuterte er weiter.

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004Er schlug daher vor, anstatt des bisher vom INEK angewandten Ein-Haus-Modelles, das die Daten von Erwachsenenhäusern und Kinderkliniken/-abteilungen in einem gemeinsamen Pool betrachtet, in einem zweiten Pool die Daten von organisatorisch eigenständigen Kinderkliniken, die ausschließlich Kinder behandelten, zu betrachten und eigene Kostengewichte für die Kinderkliniken zu bilden. Als weiteren Schritt kann Scheel sich vorstellen, auch die Daten aus einem Pool organisatorisch nicht eigenständiger, an Erwachseneneinrichtungen angegliederten Kinderkliniken zu analysieren. Ein solches Vorhaben erfordere allerdings Zeit.

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004"Wir haben das Gefühl, dass wir permanent in eine weiche Wand wohlwollender Unterstützungsbekundungen laufen und uns dabei totrennen", sagte Andreas Wachtl (GKinD). Die Weichen müssten umgehend gestellt werden, um den Kinderkliniken mehr Zeit zur Erhebung präziserer Daten zu geben: "Es geht nur um zwei bis drei Jahre, also einen sehr kurzen Zeitraum, verglichen mit der Zeit, die andere Länder für die Umstellung auf DRGs benötigt haben. Selbst die Krankenkassen erkennen unsere Daten hinsichtlich des höheren Personalaufwands bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen als zutreffend an und kommen zu der Erkenntnis, dass Kinderkliniken ein finanzielles Defizit in Höhe von 30 Prozent des bisherigen Budgets entsteht, wenn der höhere Personalaufwand nicht berücksichtigt wird, d.h. wenn keine entsprechende Anpassung die Fallpauschalen Katalogs an die besonderen Gegebenheiten der stationären Kinder- und Jugendmedizin erfolgt." Feststellungen, die Bundestagsabgeordnete Waltraud Lehn (SPD) bestätigte. Sie selbst hatte entsprechende Belege gefordert, "und die Krankenkasse hat eine erhebliche Unterdeckung bestätigt", so Lehn. Jochen Scheel (GKinD) führte aus, dass in etwa 81.000 Fällen aus Kinderkliniken Häuser der Maximalversorgung ausgenommen deren Kalkulation auf der Basis des DRG-Fallpauschalenkatalogs eine Baserate von 3.600 Euro gegenüber der bundesdeutschen Baserate in Höhe von 2.800 Euro ergeben habe. Schmidbauer schlug hier vor, eine Stichprobe durch das INEK vornehmen zu lassen, um nach den Ursachen zu forschen, und bei einem Gespräch mit Vertretern der Spitzenverbände der Krankenkassen nach Lösungen zu suchen. Was für ein Glück, dass die Unterdeckung mit 30 Prozent so hoch ist. Bei einer Unterdeckung von nur fünf Prozent hätte kein Hahn danach gekräht", kommentierte BaKuK-Vorsitzender Andler ironisch.

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004Die mangelnde finanzielle Ausstattung sei nicht ausschließlich ein Problem der eigenständigen großen Kinderkliniken, sondern auch der unselbständigen Kinderabteilungen, wenn möglicherweise auch von anderer Dimension.Volker Hesse vom Verband der Leitenden Kinderärzte und Kinderchirurgen Deutschlands e. V. sprach sich ebenfalls deutlich für mehr Zeit aus. Er befürchte sonst einen "immensen internen Druck der Krankenhausverwaltungen auf die organisatorisch abhängigen Einrichtungen der Kinderheilkunde und Kinderchirurgie". Horst Schmidbauer stellte hierzu fest, dass die Politik den Krankenhausverwaltungen, insbesondere in den Häusern in kommunaler Trägerschaft "massiv ins Gewissen reden" müsse, damit diese solide Grundlagen für die Teilnahme der Kinderkliniken und -abteilungen an einer möglichst genauen Kalkulation schafften.


Im neuen Krankenhausfinanzierungssystem DRGs' Erwachsenenhäusem keine Anreize setzen, Kinder zu behandeln

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004Die Vorsitzende des Bundesverbands herzkranke Kinder, Christel Helms, wollte von Horst Schmidbauer wissen, ob er sich ein Steuerungsmodell analog dem des Hausarzt Models auch für den Kinderbereich vorstellen könne, das gewährleiste, dass kranke Kinder und Jugendliche in kindgerechten Einrichtungen wie Kinderkliniken behandelt würden. Politik könne nur Zielvorgaben machen, so Schmidbauer: In Deutschland verantworteten die Akteure der Selbstverwaltung Umsetzung und Ausgestaltung, und verwies nochmals auf die Verantwortung der Eltern. Auch vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass sich Krankenhäuser in die ambulante Versorgung einbrächten, um für Eltern eine relevante Anlaufstelle zu sein.

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004Wenn die stationären Leistungen für Kinder höher vergütet würden, könnten Begehrlichkeiten bei Erwachsenenkliniken geweckt werden, erst recht Kinder zu behandeln, warnte Waltraut Lehn (SPD). Dem müsse ein Riegel vorgeschoben werden, bekräftigte GKinD / Vorstandsvorsitzender Jochen Scheel. Paragraph 21 des Krankhausentgeltgesetzes (Erhebung krankheitsbezogener Daten) biete hierfür eine Grundlage. Auch der Vorsitzende des VLKuKD, Volker Hesse, forderte, die Fehlbelegung bei der Behandlung von kranken Kindern und Jugendlichen in Erwachsenenhäusern zu prüfen. Im umgekehrten Fall sei dies bereits die Regel, wenn junge Erwachsene mit Mukosviszidose, für die häufig kein qualifizierter Facharzt zur Verfügung stehe, auf den mit ihrer Krankheitsgeschichte vertrauten Pädiater "zurückgriffen".

Parlamentarischer Abend am 4.3.2004Es sei an der Zeit, dass das Problem "Demographie" und jährlicher Geburtenrückgang in Höhe von drei Prozent diskutiert werde, lautete eine Forderung aus den Reihen der Zuhörerinnen und Zuhörer. Dabei sei über den künftigen Umfang der Versorgung und die Standorte der Maximalversorgung zu reden. Dies sei nicht über das DRGSystem zu regeln: "Politik muss sagen, was sie bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen will." Hier erwiderte Schmidbauer, dass in dieser Frage die Bundesländer ganz klar auf ihre Kompetenzen pochten, was eine Regulierung von Seiten des Bundes nahezu unmöglich mache.


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