Bundesarbeitegemeinschaft Kind und Krankenhaus e. V. - BaKuK

Offener Brief zum Pflegeberufereformgesetz

An alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages

Sehr geehrte Damen und Herren, die Pflegeausbildung soll durch das Pflegeberufereformgesetz reformiert werden. CDU/CSU und SPD haben nach monatelangen Diskussionen Anfang April einen Kompromiss gefunden...

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Gute Pflege von Kindern in Zukunft:

Forderungen zur Ausgestaltung des Koalitions-Kompromisses zur Pflegeausbildung vom 06.04.2017

 

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Zum Pflegeberufegesetz

„Während ihrer dreijährigen Ausbildung lernen Kinderkrankenschwestern in Theorie und Praxis, wie sie mit Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen umgehen müssen. Jeder Tag, um den diese Ausbildung verkürzt wird, führt zu einer Verschlechterung der Ausbildungsqualität und damit zu einer möglichen Verschlechterung der Behandlungsqualität“, betonte Dr. Frank Jochum Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus. Den kompletten Artikel hierzu finden Sie im Heft 8 vom 26.2.2016 im Deutschen Ärzteblatt.

http://www.aerzteblatt.de/archiv/175092/Pflegeberufsgesetz-Das-ist-doch-absurd

 

 

 

Gute Pflege für kranke Kinder

Statement PD Dr. med. Frank Jochum

 

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Minderjährige Flüchtlinge

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Parlamentarischer Abend am 26.9.2006

Kranke Kinder gehören zu den Spezialisten ins Kinderkrankenhaus: immer noch nicht selbstverständlich

Erneuter Meinungsaustausch über alte Sorgen / Parlamentarier einig: Qualität in der Versorgung von kranken Kindern erhalten! Aber wie?

Für das Wohl des Kindes im Krankenhaus setzt sich die Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus e. V. (BaKUK) als Zusammenschluss von Fachgesellschaften und Elternvereinigungen ein. Ihr Credo: Kranke Kinder und Jugendliche gehören zu den Fachleuten in Kinderkrankenhäusern. Sie und ihre Familien benötigen die bestmögliche fach- und altersgerechte pflegerische, medizinische und psychosoziale Betreuung. Erneut rief die BaKuK zusammen mit ihren Mitgliedsverbänden AKiK, BeKD, DGKCH und GKinD im Rahmen eines Parlamentarischen Abends unter dem Motto "Kranke Kinder im Abseits?" zum Meinungsaustausch mit Gesundheitspolitikern über die Bedingungenstationärer Versorgung kranker Kinder und Jugendlichen auf.


Fast keine neuen Sorgen – doch immer noch die alten

"'Kranke Kinder im Abseits'. Wir würden lieber das Gegenteil behaupten', erläuterte der Vorsitzende der BaKuK, Prof. Dr. Werner Andler: "Aber trotz aller Bemühungen der Politik sind unsere Sorgen noch die gleichen."

Die Presse schreibt interessiert mit.
Die Presse schreibt interessiert mit.

  • Trotz des Beschlusses der Gesundheitsministerkonferenz (1997) "...kranke Kinder gehören in ein Kinderkrankenhaus..." werden immer noch zu viele von ihnen in fachfremden Krankenhäusern behandelt.Trotz des Bemühens der Politik, bei der Novellierung des Krankenpflegegesetzes die Ausbildung in der Kinderkrankenpflege im Rahmen einer integrierten Ausbildung zu erhalten, konterkarieren einige Bundesländer mit ihren Ausführungsbestimmungen diese Intention des Gesetzes. Trotz einiger Korrekturen benachteiligt die DRG-Systematik die Kinder- und Jugendmedizin sowie die Kinderkrankenpflege immer noch erheblich. Die Behandlung und die Pflege von Kindern sind aufwändiger und damit kostspieliger als die von Erwachsenen. Die geplante Gesundheitsreform 2006 wird die Situation weiter verschärfen – auch für die Eltern kranker Kinder.
  • Nach der UN-Konvention für die Rechte des Kindes und der EACH-Charta (European Association for Children in Hospital) haben Kinder den Anspruch auf ein Höchstmaß an Gesundheit und Berücksichtigung ihrer Belange. Beide Papiere wurden von Deutschland ratifiziert, doch ist man dem Ziel dieser Papiere bisher kaum näher gekommen.

Kritik übte der BaKuK-Vorsitzende zudem am "ungeheuer aufgeblähten Apparat des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen", der dem Gesundheitswesen nicht nur erhebliche Mittel entziehe, sondern nicht selten die Krankenhäuser durch den mit seinen Kontrollen verbundenen bürokratischen Aufwand geradezu lähme. Als echten Fortschritt hingegen sah BaKuK-Vorsitzender Andler das Engagement der Bundesregierung für eine auf europäischer Basis geänderte Arzneimittelgesetzgebung an.


Allein mit hohen Lasten - die Sorgen der Eltern kranker Kinder

"Wir sprechen für die Eltern kranker Kinder. Bei ihnen wirkt sich in der Realität das aus, was Gesundheitspolitik sich ausgedacht hat", machte die Sprecherin von AKiK, Julia von Seiche-Nordenheim, deutlich. Sie führte aus, was auf den Schultern der Eltern lastet, angefangen bei der Zuzahlung zu Heil und Hilfsmitteln spätestens ab dem 12. Lebensjahr, den Kosten für Transporte zu Kinderkliniken, der unbefriedigenden Umsetzung der Mitaufnahme von Begleitpersonen, bis hin zu den finanziellen Lasten des Alltags wie Schulmitteln, Schulwegkosten, Kleidung, Schuhen und anderem mehr. Darüber hinaus sähen sich viele Eltern von ihren Krankenkassen drangsaliert, als Bittsteller behandelt und vielfach allein gelassen.

Julia von Seiche-Nordenheim und Staatssekretär  Dr.  Klaus Theo Schröder
Julia von Seiche-Nordenheim
und Staatssekretär Dr. Klaus
Theo Schröder

"Ein krankes Kind ist ein kranker Mensch in Entwicklung", sagte Julia von Seiche-Nordenheim: "Daher brauchen es und seine Eltern besondere Versorgung und Begleitung durch kompetentes Personal in dafür spezialisierten Einrichtungen." Doch genau dies sähen Eltern zunehmend durch das neue Finanzierungssystem DRGs gefährdet. Es werde seit seiner Einführung in Deutschland den besonderen Bedürfnissen kranker Kinder nicht gerecht. "Viele Eltern haben den Eindruck, dass das neue Entgeltsystem der DRGs wie ein Schaufelbagger alle mühsam erkämpften Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte platt walzt, die Kinderkliniken ins Schleudern bringt und viele von ihnen verschwinden lassen wird." Wenn auch die Betreuung kranker Kinder bei bestimmten Krankheitsbildern konzentriert an speziellen Kompetenzzentren die Qualität der stationären Betreuung sichere, dürfe der Aspekt der flächendeckenden Versorgung mit kurzen Anfahrtswegen für Kinder und Eltern dennoch nicht außer Acht gelassen werden, mahnte Julia von Seiche-Nordenheim an: "Ein krankes Kind ist immer zeitkritisch krank. Lange Transporte verbieten sich also schlichtweg, will man nicht den teuren Hubschraubertransport wählen." 160.000 Unterschriften dokumentierten die Sorgen von Eltern kranker Kinder um den Erhalt der Qualität der stationären Versorgung. Julia von Seiche-Nordenheim übergab sie dem Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, Dr. Klaus Theo Schröder.


Situation der Kinderkliniken aufmerksam im Blick

160000 Unterschriften unterstützen uns
160000 Unterschriften
unterstützen uns.

"Sie sehen uns sehr aufmerksam bei diesem Thema", bekräftigte der Staatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder. Die Weiterentwicklung der DRGs in der Kindermedizin und die Frage, wie das Honorarsystem der Behandlung von kranken Kindern im stationären Bereich zu organisieren sei, seien in der Tat ein höchst sensibler Bereich. Ermutigend nannte er Entwicklung der DRGs für Kinder im Blick auf die Verdopplung solcher DRGs auf insgesamt 72 und die Einführung zahlreicher Alterssplits. Noch vor dem Eintritt in das Gesetzgebungsverfahrens solle im Winter im Rahmen eines strukturierten Dialogs diskutiert werden, unter welchen Bedingungen und für welche Fälle DRGs in Kinderkliniken eingeführt werden sollten und welche Rahmenbedingungen dafür erfüllt sein müssten.

Prof. Dr. Werner Andler (li.), Staatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder
Prof. Dr. Werner Andler (li.),
Staatssekretär Dr. Klaus Theo Schröder

Als ein "ganz schwieriges Problem" bezeichnete er das Spannungsfeld zwischen Qualitätssicherung etwa in pädiatrischen Kompetenzzentren einerseits und des Erhalts einer flächendeckenden Versorgung andererseits. Die große Koalition verspreche sich hier von der Öffnung von §116b (…) auf breiterer Grundlage einen verbesserten Austausch zwischen ambulanten und stationärem Bereich. Hierzu werde an die in den Bundesländern für die Krankenhaus-Planung Zuständigen die Bitte gerichtet, die Kliniken und Stationen zu öffnen, die für die Versorgung wichtig seien. Beides Lösungsansätze, von denen auch die Kinderkliniken profitieren würden.


Qualität der Ausbildung und Finanzierung der Pflege kranker Kinder – die Sorgen der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege

Elfriede Zoller
Elfriede Zoller

 

Das novellierte Krankenpflegegesetz habe sich eindeutig für eine integrative Ausbildung zum Erhalt der eigenständigen Schwerpunkte in Krankenpflege und Kinderkrankenpflege eingesetzt und mit der Erweiterung der Berufsbezeichnung die zunehmende Bedeutung der Gesundheitsförderung und Prävention unterstrichen, führte Elfriede Zoller vom BeKD-Vorstand aus. Allerdings werde es vielerorts als Anlass zu einer Veränderung der Schulor-ganisation genutzt, die ökonomisch begründet werde, Inhalt und Qualität der integrativen Ausbildung jedoch vernachlässige. Elfriede Zoller: "Dies führt häufig zu einer reinen Anei-nanderreihung der bisherigen Ausbildungen und ihrer Inhalte."

Der besondere Auftrag der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege als selbstständige Disziplin umfasse die Betreuung gesunder, akut und chronisch kranker Kinder sowie Kinder mit Behinderungen und erfordere daher besondere berufliche Kompetenzen. Auch wenn sich diese nicht immer unmittelbar rechne, zahle sie sich in jedem Fall langfristig volkswirtschaftlich aus: "Gesundheitsfördernde Maßnahmen und Verhaltensweise prägen Kinder und Jugendliche entscheidend, indem sie für ihr späteres Gesundheits- und Krankheitsverhalten eine wichtige Rolle spielen." Angesichts der Veränderung familiärer Lebensformen, sozialer Rahmenbedingungen und des gewandelten Krankheitsspektrums sei es sehr wichtig, dass es im Bereich der Gesundheits- und Kinderkrankenpflegeausbildung geeignete praktische Einsatzbereiche gebe, wies sie auf den Mangel an ambulanten Diensten und Einrichtungen hin.


Das Thema der (unterfinanzierten) Pflege kranker Kinder im Kinderkrankenhaus

Birgit Pätzmann-Sietas
Birgit Pätzmann-Sietas

beleuchtete Birgit Pätzmann-Sietas vom BeKD-Vorstand anhand der Situation der Pflege auf einer Kinderstation, auf einer Kinder-Intensivstation und in einer Kinderambulanz. "Kinder haben grundsätzlich einen 30 Prozent höheren Pflegebedarf als Erwachsene. Dies haben Gesundheitsökonomen schon in den fünfziger Jahren in Deutschland ermittelt und zuletzt wurde dies 1993 in der Kinder-Pflegepersonalregelung festgeschrieben", erläuterte sie: "Bei der Einführung der DRGs wurde jedoch dem vermehrten Pflegeaufwand für kranke Kinder und Jugendliche in keiner Weise Rechnung getragen, notwendige Anpassungen werden nur in kleinsten Schrittchen und um zwei Jahre verzögert vorgenommen. Und diese Auswirkungen spüren wir heute sehr deutlich." Die Personalbemessungen in Kinderstationen und Kinderintensivstationen gründeten nicht auf differenzierten Leistungsberechnungen, die dem Aufwand bei der Betreuung verschiedene kindlicher Entwicklungsstufen angemessen seien. "Auf dieser Grundlage jedoch entstehen heute Planstellen zur Pflege erkrankter Frühgeborener und Neugeborener, Säuglinge, Kinder und Jugendlicher", machte Birgit Pätzmann-Sietas auf die geringe Personalausstattung der Kinderkrankenpflege aufmerksam.

Problematisch, da nicht verbindlich geregelt, sei auch die Finanzierung der Kinderambulanzen an Kinderkliniken. "Für ein chronisch krankes Kind oder ein Kind, das zu aufwändigen Untersuchungen mit seinen Eltern erscheint, wird oftmals eine speziell ausgebildete Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin benötigt, die im Team mit dem Kinderarzt und anderen Professionen das chronisch kranke Kind in seiner Entwicklung begleitet und schult", machte sie deutlich. Es müsse dringend geregelt werden, welcher Pflegebedarf, welche Pflegeleistung bei Kindern und welche Anleitung und Beratung von Eltern erkrankter Kinder finanziert werde und wie deren Qualität auszusehen habe. Anlässlich der alltäglichen Erfahrung, dass mehr und mehr Kinder anstatt in Kinderabteilungen aus wirtschaftlichen Gründen in Erwachsenenbereichen (z.B. Orthopädie und HNO) nicht adäquat behandelt werden, forderte sie: "Eine strikte Aussage seitens der Politik, dass kranke Kinder in Kinderkrankenhäuser gehören, ist unerlässlich!"


Weniger Kinder – weniger Kinder- und Jugendmedizin?

Dr. med. Ulrich Hofmann
Dr. med. Ulrich Hofmann

Auf die alarmierende demographische Entwicklung wies Dr. Hofmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie hin: "Die Zahl der Neugeborenen war 1965 doppelt so hoch." Eine Entwicklung, die sich in der Verringerung der Studentenzahlen um mehr als die Hälfte in 15 Jahren deutlich widerspiegele und die flächendeckende pädiatrische Versorgung sowohl im stationären wie auch im ambulanten Bereich zunehmend gefährde: "In den bevölkerungsärmeren Ländern wie z.B. Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt ist die Zahl der stationären Einrichtungen für die Kinder- und Jugendmedizin drastisch gesunken bzw. nicht mehr existent! Daraus resultiert eine Minderung von Weiterbildungsstellen für die Kinder- und Jugendmedizin, so dass bald auch die flächendeckende ambulante Kinder- und Jugendmedizin nicht mehr gewährleistet ist, da die jetzigen PraxisinhaberInnen aus Altersgründen ausscheiden und die entsprechenden NachfolgerInnen in den Praxen fehlen", führte er aus.

Eine gewisse Konzentrierung der pädiatrischen Versorgung, etwa in Form von pädiatrischen Kompetenzzentren für bestimmte Krankheitsbilder von Kindern und Jugendlichen, sei daher unerlässlich. Gleichwohl bestehe die Gefahr, dass die zu erwartende Konzentrierung der Kinder- und Jugendmedizin insbesondere in den Flächenstaaten zu einer weiteren Verschiebung, gerade auch in der stationären Behandlung von Kinder und Jugendlichen in die Erwachsenenmedizin führe. Angesichts der Tatsache, dass bereits mehr als 40 Prozent aller stationär behandelten Kinder nicht adäquat in entsprechend dafür ausgerüsteten Abteilungen behandelt werden, sei dies eine "Situation, die wir als Kinder- und Jugendmediziner nicht gutheißen wollen", sagte. Dr. Hofmann. "Das Kind und der Jugendliche gehören in eine Umgebung, in der sie ganzheitlich und mit der erforderlichen Fachkompetenz versorgt werden", mahnt er im Blick auf die künftigen auf dem Gebiet der Prävention zunehmenden Aufgabe der Kinder- und Jugendmedizin an.


Ungleiche Verteilung der Chancen im DRG-Vergütungssystem: konkrete Vorschläge zum Erhalt der Kinderkliniken

Jochen Scheel
Jochen Scheel

"Kinderkliniken dürfen ihre Wirtschaftlichkeit nicht verbessern, indem sie erwachsene Patienten betreuen, müssen aber selbst gegen die Konkurrenz der Erwachsenmediziner bestehen, die auch Kinder behandeln dürfen", stellte Jochen Scheel, Vorstandsvorsitzender der GKinD, fest: "Die Zahl ihrer Patienten ist beschränkt auf etwa ein Zehntel der Patientenzahl insgesamt und sie sinkt zudem kontinuierlich." Die Betreuung der Patienten und der Angehörigen sei zeit- und damit personalaufwändig, griff er die Ausführungen seiner Vorredner auf. Je differenzierter das Leistungsangebot einer Kinderklinik sei, umso größer sei auch das Potential der Unwirtschaftlichkeit, unter anderem wegen der hohen Vorhaltekosten der Spezialisten.

Die Kinderkliniken haben sich, darauf verwies Jochen Scheel, von Anfang an am Aufbau des neuen DRG-Vergütungssystems aktiv beteiligt, "getragen von der Hoffnung, die Besonderheiten adäquat abbilden zu können." Das DRG-System lerne zwar, jedoch äußerst langsam und immer mit einer zeitlichen Verzögerung von zwei Jahren. So konnten bislang nur marginale Verbesserungen erreicht werden. Im Zuge der aktuellen Anpassung des Fallpauschalenkatalogs würden wieder neue kindspezifische Alterssplits eingeführt, so der GKinD-Vorstandsvorsitzende. Ein Beweis dafür, dass noch Anpassungsbedarf bestehe: "Deshalb ist es ungeheuer wichtig, dass diejenigen Kinderkrankenhäuser und –abteilungen, die differenziertes Angebot vorhalten, davor geschützt werden, dass das DRG-System sie vom Markt verschwinden lässt."

Er warb dafür, die Anerkennung selbständiger Kinderkliniken, die ausschließlich Kinder und Jugendliche betreuen, als besondere Einrichtungen solange aufrecht zu erhalten, bis die dringend notwendigen strukturellen Veränderungen umgesetzt sind und stellte konkrete Vorschläge zur Verbesserung im DRG-System selbst sowie zur Verbesserung der Struktur vor. Jochen Scheel: "Bis zur Umsetzung dieser Punkte müssen kinder- und jegendmedizinische Zentren vor den negativen Folgen des DRG-Systems geschützt werden."

GKinD-Vorschläge zur Verbesserung im DRG-System:

Kalkulationshandbuch: strengere Kriterien bei der Zuordnung und Gewichtung von PersonalkostenDRGs für Kinder mit sehr geringer Häufigkeit Kalkulation von über mehrere Jahre hinweg separate Kalkulation nur für kinder- und jugendmedizinische Zentren
Verweildauer: differenzierte Kalkulation der Kosten in den ersten 48 Stunden eines Aufenthalts und damit Verbunden Aussetzen des Abschlags bei Kindern

GKinD-Vorschläge zur Verbesserung der Struktur:

Mindestqualitätsstandards für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen (werden zur Zeit in Zusammenarbeit mit den Fachgesellschaften verfasst)
Erhalt der kinder- und jugendmedizinischen Fachambulanzen, deren Kosten nicht durch DRG-System abgedeckt sind, aber auch nur zu einem Bruchteil durch Erlöse aus der kassenärztlichen Vereinigung abgedeckt sind, durch entsprechende Änderung und Ergänzung von §119 im Sozialgesetzbuch V (kostenneutraler Vorschlag liegt BMG vor)

Parlamentarier einig: Qualität in der Versorgung von kranken Kindern erhalten! Aber wie?

Konrad Schily (FDP)
Konrad Schily (FDP)

Konrad Schily (FDP) wies darauf hin, dass man sich im Grunde über das Ziel, die erreichte Qualität der Versorgung in der Kinder- und Jugendmedizin zu erhalten - ein Recht der Kinder -, einig sei, "aber uneins über die Wege dahin." Er erinnerte daran, dass überhaupt erst die siebziger Jahre eine Normalisierung in die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen gebracht haben, insbesondere durch die Erkenntnis, dass Kinder Kinder und keine kleinen Erwachsenen sind. Er warnte davor, hinter das Erreichte zurückzufallen! Im Blick auf den Zusammenhang von Bildung, Armut und Gesundheitszustand von Kindern müssten die Ergebnisse des jüngsten Armutsberichts einbezogen werden. Es reiche seiner Ansicht nach daher auch nicht, den Status Quo zu erhalten. "Leitlinie muss sein: das sozial Richtige ist das wirtschaftlich Nachhaltige. Der Markt macht Preise, nicht jedoch menschliche Werte", sagte Konrad Schily.

Helga Kühn Mengel (SPD)
Helga Kühn Mengel (SPD)

"Ihre Problemschilderung ist angekommen!" bekräftigte Helga Kühn-Mengel (SPD), Patientenbeauftragte der Bundesregierung. Sie stellte im Blick auf den durch Studien als offensichtlich erwiesenen Zusammenhang von Bildung und Gesundheit fest, dass nicht generell alle Kinder in Deutschland schlecht gestellt seien. Sie setze große Hoffnungen auf ein Präventionsgesetz, das vor allem ungleiche gesundheitliche Chancen verringern solle und appellierte an die Kinder- und Jugendmedizin, die Gesundheitspolitik bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe zu unterstützen. Prävention müsse, so Helga Kühn-Mengel, in die Lebenswelten der Kinder wie Kindertagesstätten und Schule gehen, doch fehlten mit Verringerung der Leistungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, kritisierte sie, vielerorts entsprechende Strukturen.

Dr. Hans-Georg Faust (CDU) sah den "Kindersektor generell als nicht gavierend benachteiligt an, doch erkannte er ganz besondere Probleme, die mit besonderen Lösungen anzugehen sind". Daher sei die Anerkennung von Kinderkliniken als besondere Einrichtungen fürs Erste eine notwendige Akuthilfe. Offen sei für ihn die Frage, ob angesichts der finanziellen Engpässe im Gesundheitssektor eine Lösung in der Schaffung von kinder- und jugendmedizinischen Kompetenzzentren wie zum Beispiel in Schweden liege. Bei großer Klinikdichte müsste auch der Verzicht auf Ambulanzen denkbar sein. Zu überlegen sei also, wie eine geordnete flächendeckende Versorgung mit Ambulanzen und stationären Einrichtungen sowie der Notfallvorsorgung zu regeln sei. Nicht gelöst sei auch die Frage der Transportproblematik (Entfernung und Kosten). Für die Erweiterung von Leistungen in strukturschwachen Gebieten spreche die Zeit nicht, er sehe eher einen Trend zur Leistungsverdichtung und damit zum Bettenabbau und Schließung von Abteilungen.

Dr. Hans-Georg Faust (CDU)  (re.)
Dr. Hans-Georg Faust (CDU)  (re.)

"Das Thema Flächendeckung ist in der ambulanten und stationären Pädiatrie ein ganz schwieriges. Wir sehen hier Verhältnissen entgegen, die so nicht mehr zu halten sind und die in Deutschland extrem unterschiedlich sind, ohne dass es dafür eine sinnvolle Begründung gibt", stellte Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich, stellvertretender Vorsitzender des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, fest. Das Spektrum der zu erbringenden Leistungen und die Wirtschaftlichkeit der zu erbringenden Leistungen seien feste Parameter, an denen nichts verändert werden könne. "Die einzige Stellschraube sind die Flächendeckung, die Anfahrtswege und die Dichte", macht Professor Nentwig deutlich. Es sei sicherlich unerlässlich, in manchen Bundesländer bzw. Regionen, Leistung zu reduzieren, doch sei dies nicht mehr in einzelnen Einrichtungen möglich, da diese dann absolut unwirtschaftlich würden, andererseits gebe es Bundesländer wie Bayern und andere Regionen, in denen eigentlich sogar neue Einrichtungen erforderlich seien.

Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich (li.)
Prof. Dr. Hans-Jürgen Nentwich (li.)

Vor diesem Hintergrund plädiere er, Qualitätsstandards für stationäre Einrichtungen der Kinder- und Jugendmedizin einzuführen, damit deutlich werde, was in Kinderkliniken geleistet werde. "Und dann werden wir über die Finanzierbarkeit zu einer Flächendeckung kommen. Und hier werden wir, wenn wir Qualität und Kompetenz erhalten wollen, nicht um längere Anfahrtswege für Eltern drum herum kommen und um eine Lösung, wie diese finanziert werden, denn den Eltern können wir das nicht zumuten. Kurzum: Wir stehen in Deutschland vor enormen Umstrukturierungen in der Kinder- und Jugendmedizin."